Gut zu wissen!

IV. Quartal 2017

 

Die Kapitalmärkte standen auch im vierten Kalender­quartal unter dem Eindruck überwiegend guter Kon­junktur- und Unternehmensdaten. Die Wallstreet fie­berte der Steuerreform entgegen, die eine spürbare Senkung der Unternehmenssteuern in den USA bringt. Die europäischen Aktienmärkte folgten den positiven Vorgaben aus New York nur zögerlich, et­was gebremst durch politische Sorgen (Katalonien, Brexit, noch keine Regierungsbildung in Deutschland und Wahlen in Italien im kommenden Jahr) und den seit Anfang November wieder steigenden Wert der europäischen Gemeinschaftswährung.

 

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

Die amerikanische Notenbank „Fed“ hob ihre Leitzin­sen Mitte Dezember wieder um einen Viertel Prozent­punkt (also um 25 „Basispunkte“) an, das dritte Mal im Jahr 2017 und insgesamt das fünfte Mal seit dem Ende der Finanzkrise. Das Zielband der sogenannten „Fed Funds Rate“ liegt damit jetzt bei 1,25 bis 1,50 Prozent. Weil diese Zinserhöhung den vorherrschen­den Erwartungen entsprach, gab es an den Kapital­märkten keine größeren Kursreaktionen. Die Europäi­sche Zentralbank (EZB) ist dagegen noch weit von einer Leitzinserhöhung entfernt. Allerdings gab der EZB-Rat in der letzten Oktoberwoche seine Entschei­dung bekannt, ab Januar den Umfang der monatli­chen Anleihekäufe auf 30 Milliarden Euro zu halbie­ren. Eine schrittweise Verringerung der Anleihekäufe, mit denen die EZB viel Liquidität in die Kapitalmärkte pumpt, war für 2018 erwartet worden. So reagierten die Börsen auf die Aussagen der EZB sogar mit Kurs­gewinnen, weil die Zentralbanker nicht ausschlossen, ihre Geldpolitik notfalls wieder zu lockern.

 

An den meisten Anleihemärkten pendelten die Kurse zunächst seitwärts. Im Dezember verzeichneten US-Anleihen dann höhere Kursverluste, so dass die Marktrendite für zehn Jahre auf knapp 2,5 Prozent stieg, den höchsten Stand seit März. Den Haupt­grund für den Renditeanstieg lieferte die US-Steuer­reform: Sie verringert längerfristig die Staatseinnah­men und lässt den ohnehin hohen Schuldenberg des Staates weiterwachsen. Das Wirtschaftswachstum soll profitieren, so dass die Nachfrage nach Kapital von beiden Seiten, Staat und Wirtschaft, höher aus­fallen dürfte als ohne Steuersenkungen. In der zwei­ten Dezemberhälfte erholten sich die US-Anleihekur­se wieder etwas. Zum Jahresende lag der Marktzins für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bei 2,42 Prozent, zehn Basispunkte höher als drei Monate zuvor. In den Tagen vor Weihnachten rutschten auch die Kurse europäischer Anleihen stär­ker ab, wobei Kursgewinne aus den Vorwochen größ­tenteils verloren gingen. Der Bund-Future als führen­der Terminkontrakt auf Euro-Staatsanleihen verzeich­nete im vierten Quartal schließlich noch einen kleinen Anstieg um 0,5 Prozent auf 161,78. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg um fünf Basispunkte auf 0,44 Prozent.

 

An den Devisenmärkten setzte sich die Euro-Stärke zunächst nicht fort. Während die Wechselkurse der wichtigsten Währungen in relativ engen Spannen pendelten, lenkten Kryptowährungen mit ihrem ra­santen Anstieg die Aufmerksamkeit auf sich. Die Ter­minbörsen in Chicago begannen mit dem Handel von Bitcoin-Kontrakten, was den Zugang zur populärsten von inzwischen Hunderten Digitalwährungen erleich­tert, auch wenn deren Zukunft sehr spekulativ bleibt. Mitte Dezember setzten bei den meisten Kryptowäh­rungen Gewinnmitnahmen ein. So fiel der Bitcoin von seinem Rekordstand bei rund 16.000 Euro zum Jah­resende auf ca. 11.000 Euro zurück. Dennoch ver­bleibt für das vierte Quartal eine Verdreifachung des virtuellen Wertes. Dem US-Dollar half die Verab­schiedung der US-Steuerreform im Dezember nicht, im Gegenteil: Der Euro kletterte zum Jahresende wieder in Richtung seines Jahreshochs aus dem September und beendete das Jahr bei rund 1,20 US-Dollar – ein Anstieg um 1,6 Prozent im vierten Quar­tal. Auch gegenüber anderen Währungen zeigte sich die europäische Gemeinschaftswährung in den letz­ten Wochen des Jahres fester, darunter dem japani­schen Yen. Der Wechselkurs Yen zu US-Dollar än­derte sich dagegen auch im vierten Quartal kaum.

 

An den Rohstoffmärkten setzte sich angesichts der guten Weltkonjunktur, höherer Disziplin der Anbieter und politischer Instabilität am Persischen Golf der Preisanstieg des dritten Quartals fort. Ein Barrel der europäischen Ölsorte Brent verteuerte sich um 17,5 Prozent auf 66,62 Dollar, ein Barrel der US-amerika­nischen Ölsorte „West Texas Intermediate“ („WTI“) um 16,1 Prozent auf 60,25 Dollar. Der Kupferpreis, der auch als ein Indikator für die Weltkonjunktur gilt, stieg im vierten Quartal um 11,5 Prozent auf ein neu­es Dreijahreshoch. Neben der hohen Nachfrage dürf­te dazu auch die Schließung von Kupferfabriken in China beigetragen haben. Vergleichsweise wenig veränderten sich die Preise von Gold und Silber. Zwar beendete Gold das Jahr knapp über der Marke von 1.300 Dollar pro Unze, was für das vierte Quartal einen Anstieg um 1,8 Prozent und für das Gesamt­jahr um 13,2 Prozent bedeutet. Dies ist aber vor al­lem der Schwäche des US-Dollars geschuldet. In Euro veränderte sich der Goldpreis kaum. Palladium blieb auch im vierten Quartal das bessere Geschäft: Sein Wert stieg in US-Dollar um 13,5 Prozent über 1.060 Dollar pro Unze. Für das Gesamtjahr bedeutet das einen Anstieg um 57 Prozent in US-Dollar und immerhin gut 30 Prozent in Euro.

 

Aktienmärkte

Die Hausse an den Aktienmärkten setzte sich auch im vierten Quartal gestützt auf die gute wirtschaftliche Entwicklung fort. So erreichten unter anderem der Dow Jones und der DAX schon im Oktober neue Re­kordstände. Während der US-Aktienmarkt in der Hoffnung auf Steuersenkungen und gestützt auf überwiegend gute Quartalsergebnisse seinen Auf­wärtstrend fortsetzte, bremsten die Separationsbe­mühungen der katalanischen Regierung und der An­stieg des Euro zeitweilig die europäischen Börsen. Stützend für Aktien blieb die relativ lockere Geldpoli­tik der wichtigsten Notenbanken. Auch die Bank of Japan pumpt mit Wertpapierkäufen viel Geld in die Märkte.

 

Der US-Aktienmarkt beendete das Jahr nur knapp unter den Mitte Dezember markierten Rekordhochs: Der Anstieg des Dow Jones Industrial Average betrug seit Ende September 10,3 Prozent auf 24.719,2 In­dexzähler und der des Nasdaq-100-Index 7,0 Pro­zent. Dass der US-Nebenwerteindex Russell-2000 nur um 3,0 Prozent zulegte, deutet allerdings eine rückläufige Breite des Kursaufschwungs an: Die Mas­se tausender kleinerer börsennotierter US-Unterneh­men hinkte der Kursrallye hinterher. Der Weltaktienin­dex von MSCI beendete das Quartal mit einem Plus von 5,1 Prozent bei 2.103,5.

 

Aus Sicht eines in Euro rechnenden Anlegers wurden die Dollar-Ergebnisse gegen Ende des Jahres wieder durch Währungsverluste geschmälert. Anders als im Vorquartal fiel die Quartalsbilanz bei Investments im heimischen Euro-Aktienmarkt aber nicht besser aus: Der Euro-STOXX-50 (Kursindex) verzeichnete für das dritte Quartal einen Rückgang um 2,5 Prozent auf 3.504 Punkte. DAX, MDAX und der auch nicht Euro-Länder umfassende STOXX-50-Index beende­ten das Quartal mit ganz kleinen Zuwächsen zwi­schen 0,2 und 0,8 Prozent. Für das Gesamtjahr 2017 bedeutet der DAX-Stand am Jahresende von 12.917,6 aber einen Gewinn von 12,5 Prozent. Der deutsche Aktienindex für Hochtechnologieaktien, TecDAX, baute seinen Vorsprung vor dem DAX mit einem Quartals-Plus von 3,9 Prozent aus. Für das Gesamtjahr steht hier ein Anstieg um 39,6 Prozent zu Buche.

 

In Zentral- und Osteuropa blieben die Vorzeichen im vierten Quartal positiv: Der CECE-Index für Stan­dardwerte aus Polen, Ungarn, der Tschechischen Re­publik und der Slowakei knüpfte an die gute Entwick­lung im Jahresverlauf an und legte um 4,2 Prozent zu. Der RTX-Index für russische Aktien, der im ersten Halbjahr unter dem Ölpreisrückgang gelitten hatte, konnte im zweiten Halbjahr diese Kursverluste aufho­len und beendet das Jahr mit einem Mini-Plus von 0,6 Prozent.

 

Die japanische Börse verdrängte die Sorgen um Nordkorea und würdigte die gute wirtschaftliche Ent­wicklung mit einem Quartalszuwachs um 11,8 Pro­zent beim Nikkei-225-Index auf 22.765 – dem höchs­ten Stand seit 25 Jahren!

 

Auch die Börsen der Schwellenländer profitierten von der insgesamt guten volkswirtschaftlichen Entwick­lung. Vor allem in Asien überwogen im Schlussquar­tal des Jahres 2017 Kursgewinne, so dass die meis­ten Indizes prozentual einstellig zulegten und das Gesamtjahr mit zweistelligen Zuwächsen beendeten. Dabei überflügelte Indien China nicht nur bei der Höhe des Wirtschaftswachstums: Mit dem Sensex In­dex der Bombay Stock Exchange (BSE) ging es im vierten Quartal um 8,9 Prozent aufwärts, während die Aktienbörse in Shanghai gemessen an ihrem B-Akti­enindex 5,5 Prozent verlor. Immerhin ging es mit dem Hang Seng China Enterprise Index um 7,2 Prozent aufwärts, mit dem Index für Hongkong-Aktien sogar um 8,6 Prozent.

 

Schlechter lief es in Lateinamerika: Der mexikanische IPC Index konnte sich im vierten Quartal noch nicht von den Verlusten durch das Erdbeben erholen, das die Hauptstadt am 19. September getroffen hatte. An der brasilianischen Börse ging es nach der Rallye der Vormonate nur noch langsam aufwärts: Plus 3,2 Prozent.­