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Die Kapitalmärkte im Blick - III. Quartal 2018

  

Nach dem wechselhaften ersten Halbjahr blieb die Kursentwicklung an den Kapitalmärkten im dritten Quartal uneinheitlich und stark von der Politik be­einflusst. Sorgen vor steigender Inflation und höhe­ren Zinsen drückten weiterhin auf die Stimmung – auch an den Anleihemärkten, wo die Kurse fielen und die Renditen stiegen. An den Aktienmärkten blieben die Handelskonflikte der USA ein beherr­schendes Thema. Allein die Wallstreet zeigte sich davon weitgehend unbeeindruckt, so dass US-Ak­tien ihren Vorsprung im Berichtszeitraum vergrö­ßerten.

  

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

 

Die amerikanische Notenbank „Fed“ hob ihre Leit­zinsen im September wieder um einen Viertel Pro­zentpunkt (also um 25 „Basispunkte“) an, das dritte Mal in diesem Jahr und damit das achte Mal seit den Zinssenkungen infolge der Finanzkrise vor zehn Jahren. Das Zielband der sogenannten „Fed Funds Rate“ liegt damit jetzt bei 2,00 bis 2,25 Pro­zent. Auch diesmal entsprach die Erhöhung des Leitzinses den am Markt vorherrschenden Erwar­tungen und löste deshalb keine größeren Kursbe­wegungen aus. Die Inflationsrate in den USA hat mit 2,9 Prozent die Zielgröße von zwei Prozent deutlich überschritten. Die Fed kündigte an, ihre restriktivere Zinspolitik fortzusetzen. Die Mehrheit der Marktbeobachter geht davon aus, dass die nächste US-Leitzinserhöhung im Dezember folgt.

 

Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank ver­änderte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen erwartungsgemäß nicht. Während die Fed früher aufgekaufte Anleihen in den Markt ver­kauft, stützt die EZB den Kapitalmarkt noch mit Anleihekäufen. Im dritten Quartal wurden dem Markt dadurch jeden Monat 30 Milliarden Euro zusätzli­che Liquidität zur Verfügung gestellt. Das Volumen der Anleihekäufe wird ab Oktober auf monatlich 15 Milliarden Euro verringert. Zum Jahresende könn­ten die Anleihekäufe dann ganz auslaufen. Ange­sichts steigender Inflationsraten und höherer Risi­ken überwogen an den Rentenmärkten im dritten Quartal Kursverluste.

 

Am US-Anleihemarkt blieb es zwar während der Sommermonate zunächst ruhig. Die laufende Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit pendelte dabei um 2,9 Pro­zent. Im September fielen die Kurse aber, so dass die Rendite zwischenzeitlich wieder bis auf 3,1 Prozent stieg und Ende September bei 3,04 Pro­zent stand, 20 Basispunkte höher als drei Monate zuvor. Die als schlechtes Konjunktursignal befürch­tete „Abflachung“ der Zinsstrukturkurve setzte sich nicht fort, denn die Renditen von US-Anleihen mit 30 Jahren Laufzeiten stiegen im gleichen Maß, nämlich um 21 Basispunkte auf 3,18 Prozent.

 

Auch an den europäischen Anleihemärkten pendelten die Kurse im Juli und August eher seitwärts, bevor sie im September unter Druck gerieten. Die Angst vor einer Rückkehr der Euro-Staatsschuldenkrise wurde von der populistischen Regierung Italiens genährt, weil sie deutlich höhere Staatsausgaben plant. Nachdem sich die Kurse italienischer Staats­anleihen noch Anfang September erholt hatten, verzeichneten sie Ende September hohe Kursver­luste. Die Rendite zehnjähriger Italien-Papiere stieg über 3,1 Prozent. Die „Flucht in Sicherheit“ kam zwar wieder einmal deutschen Bundesanlei­hen zugute. Dies konnte den Anstieg der Renditen aber nur abmildern. Zehnjährige Bundesanleihen verzinsten sich Ende September mit 0,53 Prozent gegenüber nur 0,32 Prozent Mitte des Jahres. Der Bund-Future als Terminkontrakt auf deutsche Staatsanleihen verzeichnete im zweiten Quartal schließlich einen Verlust von 2,2 Prozent.

 

Internatio­nal verzeichneten vor allem Anleihen aus Schwellenländern Kursverluste, weil Anleger weiter Kapital aus den sogenannten „Emerging Markets“ abzogen.

 

Auch an den Devisenmärkten gerieten die Emer­ging Markets unter Druck, während die Kursverän­derungen zwischen den etablierten Währungen vergleichsweise klein blieben. Der Euro pendelte in einer recht engen Bandbreite um 1,16 US-Dollar. Hätten nicht die Sorgen um Italiens Staatsschul­den Ende September die europäische Gemein­schaftswährung belastet, wäre der Euro im dritten Quartal wohl gegen Dollar leicht gestiegen, so aber blieb ein Euro-Rückgang um 0,7 Prozent. Ge­gen japanischen Yen stieg die US-Währung um 2,6 Prozent.

 

Weitaus turbulenter ging es bei einer Rei­he von Schwellenländer-Währungen zu: Die türki­sche Lira etwa verlor gegenüber dem Euro rund 40 Prozent an Wert. Beim argentinischen Peso beträgt das Minus allein im dritten Quartal rund ein Drittel. Beide Länder haben über Jahre hohe Auslandsschulden und große Defizite in ihren Leistungsbilanzen aufgebaut. Zudem ist in beiden Fällen die Inflation außer Kontrolle geraten. Aber auch Währungen von Schwellenländern, die ei­gentlich wirtschaftlich gut dastehen, gerieten unter Druck, darunter die indische Rupie. Die Wirtschaft des Subkontinents wächst mit hohen einstelligen Raten stärker als China. Aber trotz weitgehend ausgeglichener Leistungsbilanz verlor die indische Rupie gegenüber dem Euro in diesem Jahr bereits mehr als 10 Prozent, davon gut 6 Prozentpunkte allein im dritten Quartal.

 

Noch höhere Kursverluste verzeichneten im Be­richtszeitraum die meisten Kryptowährungen, dar­unter Bitcoin Cash, Litecoin, Iota und Dash, die ge­gen Euro jeweils rund 30 Prozent an Wert verloren. Der Wechselkurs der Kryptowährung Ethereum ge­gen Euro halbierte sich. Zu den wenigen halbwegs stabilen Kryptowährungen gehörten im dritten Quartal der klassische Bitcoin und Ripple.

 

An den Rohstoffmärkten blieb die Preisentwicklung uneinheitlich. Der Ölpreis begann Mitte August ei­nen neuen Aufwärts-trend, der ihn auf neue Vier-Jahres-Hochs brachte. Ein Barrel der europäi­schen Rohölsorte Brent verteuerte sich um fast fünf Prozent auf rund 83 Dollar. Gleichzeitig erlebte auch der Preis für das Edelmetall Palladium eine scharfe Trendwende nach oben, so dass das dritte Quartal mit einem Anstieg von gut 12 Prozent be­endet wurde. Bei den anderen Edelmetallen über­wogen dagegen weiter abbröckelnde Kurse. Gold fiel bis Mitte August auf 1.160 US-Dollar pro Unze, den tiefsten Wert seit Anfang 2017. In der zweiten Hälfte des Quartals pendelte der Goldpreis dann in einer recht engen Bandbreite um die Marke von 1.200 Dollar. Silber markierte erst im September ein neues Jahrestief bei knapp 14 Dollar pro Unze – dem tiefsten Wert seit Anfang 2016. Der Kupfer­preis, der wie Öl als ein Indikator für die Weltkon­junktur gilt, sank anders als Öl im dritten Quartal, nämlich um 5,4 Prozent. Unterm Strich verzeichne­ten Rohstoffpreisindizes wie der Dow Jones Com­modity Index und der RICI Quartalsverluste (von 2,4 bzw. 1,1 Prozent).

 

Aktienmärkte

 

 Beherrschendes Thema an den Aktienmärkten blieben im dritten Quartal die Handelskonflikte der USA und deren Auswirkungen. Die Aktienbörsen in New York zeigten sich allerdings wenig beein­druckt. Aufgrund des hohen Anteils US-amerikani­scher Aktien von mittlerweile über 60 Prozent er­reichte der MSCI Weltaktienindex im dritten Quar­tal neue

Rekordhöhen. Vor allem eine Handvoll sehr erfolgreicher US-Technologiekonzerne trieb auch die US-Aktienindizes auf neue Höchststände. Zunächst erreichte die Nasdaq Rekordwerte, weil die Aktien von Schwergewichten wie der Google-Mutter

Alphabet, des Internethändlers Amazon, des Softwareriesen Microsoft und des Online-Netz­werks Facebook weiter stiegen. Mit Amazon und Apple erreichten erstmals die Börsenwerte einzel­ner Unternehmen die Schwelle von einer Billion Dollar.

 

Die Veröffentlichung der Geschäftsergeb­nisse des zweiten Quartals brachte in vielen Ein­zelfällen richtungsweisende Kursimpulse, bot den Aktienmärkten insgesamt aber wenig Auftrieb. Noch nicht einmal in den USA konnte die Mehrheit der Aktien klare Aufwärtstrends ausbilden. Trotz­dem erklommen sowohl der US-Leitindex Dow Jo­nes Industrial Average als auch der marktbreite S&P-500-Index neue Bestmarken. Bei Technolo­gieaktien lösten allerdings Biotech-Werte die zuvor favorisierten Internet-Aktien als Spitzenreiter ab: Während der Nasdaq-Internet-Index im dritten Quartal 3,1 Prozent verlor, verzeichnete der Nas­daq Biotech-Index einen Anstieg um 11,1 Prozent.

 

Im Rest der Welt entwickelten sich Aktieninvest­ments weiterhin meist schlechter als in den USA. Aktienindizes für Europe wie der MSCI Europa, der Euro-STOXX-50 und der STOXX-50 standen Ende September weniger als ein Prozent höher als drei Monate zuvor. Einige stark beachtete nationale Ak­tienindizes wie der deutsche DAX (-0,5 Prozent) und der britische FTSE-100

(-1,7 Prozent) beende­ten das dritte Quartal mit leichten Rückgängen. Al­lerdings gab es auch in Westeuropa Kursgewinner, so verzeichnete der CAC-40-Index für französi­sche Aktien in Paris ein Plus von 3,2 Pro­zent und der SMI für schweizerische Anteilsschei­ne in Zürich einen Zuwachs von 5,6 Prozent. In Deutschland entwickelten sich Nebenwerte ten­denziell besser als die großen Standardwerte. So verzeichnete der MDAX einen kleinen Quartalsan­stieg um 0,6 Prozent, der TecDAX sogar von 4,5 Prozent.

 

In Asien zeigte sich der japanische Aktienmarkt weiterhin wenig belastet durch die US-Handelspoli­tik. Der Nikkei-225-Index

beendete das dritte Quar­tal angesichts einer soliden Wirtschaftsentwicklung bei günstiger Bewertung mit einem Zuwachs von 8,1 Prozent bei 24.120. Ganz anders entwickelten sich die chinesischen Börsen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskalierte, weil beide Länder zusätzli­che Waren mit neuen Zöllen belegten und weitere Handelszölle ankündigten. Die Handelsspannun­gen verstärkten die Sorgen über den Schuldenab­bau in China und die unerwartet schwachen Wirt­schaftsdaten. Die chinesischen Aktienindizes verlo­ren im dritten Quartal zwischen -0,6 Prozent (Hang Seng China Enterprise Index) und -8,5 Pro­zent (MSCI China).

 

Aber auch andere sogenannte „Emerging Markets“ gerieten unter Druck. Neben China musste auch Aktien aus Pakistan spürbare Verluste hinnehmen. Die neu gewählte Regierung muss sich mit dem massiven Leistungsbilanzdefizit auseinanderset­zen. Insgesamt verlor der MSCI Asien im Berichts­zeitraum 2,7 Prozent. Eine Reihe asiatischer Akti­enmärkte entwickelte sich aber positiv. Dies gilt insbesondere für Südkorea (+0,7 Prozent), die Phi­lippinen (+1,2 Prozent), Malaysia (+6,0 Prozent) und Thailand (+10,1 Prozent). Die Zentralbank der Philippinen musste allerdings ihre Zinsen stark er­höhen, um

der steigenden Inflation entgegenzutre­ten.

 

Die Märkte in Lateinamerika mussten zeitweilig stärkere Verluste hinnehmen. Brasiliens Wirtschaft hat unter dem landesweiten Streik der Lkw-Fahrer im Jahresverlauf gelitten. Im Vorfeld der Präsident­schaftswahl im Oktober nahm die politische Unsi­cherheit zu. Der brasilianische Bovespa-Index stieg im dritten Quartal unterm Strich aber um 9,5 Prozent. Mexikanische Aktien profitierten von dem neuen Handelsabkommen zwischen Mexiko und den USA. Der mexikanische IPC Index stieg um 4,5 Prozent. Schlusslicht in der Region ist Argenti­nien, das unter der massiven Abwertung des Pe­sos litt. Die Regierung bat den Internationaler Währungsfonds (IWF) um eine vorzeitige Freigabe des Rettungspakets, und die

Notenbank des Lan­des erhöhte den Leitzins auf 60 Prozent, um den Wert der Währung zu stützen.

 

Die türkische Wirtschaft litt massiv unter der politi­schen Entwicklung. Als die USA aufgrund der Ein­trübung der bilateralen

Beziehungen Zölle auf Me­tallimporte aus der Türkei verhängten, schürte das die Sorgen von Investoren. Die türkische Lira er­lebte eine Talfahrt und zog türkische Wertpapiere mit in den Keller. Auch griechische und russische Aktien gaben nach. Der griechische Athex Compo­site Index beendet das Quartal mit einem Minus von 9,2 Prozent. Die USA verhängten neue Sanktio­nen gegen Russland, was eine Abwertung des Rubels auslöste. Der steigende Ölpreis verhalf der Börse Moskau aber im Berichtszeitraum zu ei­nem Anstieg von 5,5 Prozent (gemessen am RTX Index). Auch Aktien in Ungarn und Polen legten zu. Die

ungarische Wirtschaft ist im zweiten Quartal unerwartet schnell gewachsen. Der CECE Index für zentraleuropäische Aktien verzeichnet einen Quartalsgewinn von 6,7 Prozent, der MSCI Osteu­ropa von 4,9 Prozent.