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Die Kapitalmärkte im Blick - I. Quartal 2019

  

Nach dem für Aktien schlechtesten Quartal seit der Finanzkrise vor zehn Jahren war das erste Quartal 2019 von Kursgewinnen gekennzeichnet. Die Kur­se von Anleihen, Aktien und Rohstoffen stiegen, obwohl entgegen früherer Zeitpläne weder der EU-Austritt Großbritanniens („Brexit“) noch der ameri­kanisch-chinesische Handelsstreit abschließend geregelt wurden. Die damit verbundene Unsicher­heit blieb somit erhalten. An den Börsen herrscht die Erwartung vor, dass beide Streitfälle glimpflich beigelegt werden und sich die Weltkonjunktur nicht so stark abschwächt, wie dies im vierten Quartal 2018 befürchtet worden war.

 

  

Zinsen, Renten, Währungen und Rohstoffe

 

Die amerikanische Notenbank „Fed“ signalisierte eine Abkehr von ihrer bremsenden Geldpolitik. Sie hatte 2018 viermal ihre Leitzinsen um je einen Viertel Prozentpunkt (also um je 25 Basispunkte) erhöht, insgesamt neunmal seit der Finanzkrise vor zehn Jahren. Das Zielband der sogenannten „Fed Funds Rate“ blieb im ersten Quartal bei 2,25 bis 2,50 Prozent und dürfte auch bis auf Weiteres nicht verändert werden. Zudem sollen die Anleihe­verkäufe aus dem Bestand der Fed, die den Kapi­talmärkten Liquidität entziehen, im Laufe des Jah­res beendet werden.

 

Am Anleihemarkt kam es wieder zu Kursgewinnen – vor allem im März. Grund dafür blieb vor allem die Erwartung einer mittelfristig schwächeren Kon­junktur. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel von 2,7 Prozent auf 2,4 Prozent. Damit liegen die langfristigen Zinsen nicht mehr über, sondern teilweise leicht unter den kurz­fristigen Zinsen wie der Fed Funds Rate. Diese so­genannte „inverse Zinsstruktur“ gilt vielen Beob­achtern als Vorbote einer Rezession. Angesichts einer sich abschwächenden Konjunktur ist in der Eurozone nicht an eine Rückkehr zu positiven Leit­zinsen zu denken. Zwar beendete die Europäische Zentralbank (EZB) zum Jahresbeginn ihre Anleihe­stützungskäufe von zuletzt 15 Milliarden Euro pro Monat, signalisierte aber ihre Bereitschaft, die Banken weiter mit billigem Geld zu versorgen.

 

Die Rendite deutscher Bundesanleihen setzte ihren Sinkflug fort und wurde sogar bei zehn Jah­ren Laufzeit zwischenzeitlich leicht negativ. Sie be­endete das Quartal nahe Null. Die Kurserholung bei italienischen Staatsanleihen setzte sich fort. Deren Rendite sank bei zehn Jahren Laufzeit nach Spitzen von fast 3,7 Prozent im vergangenen Jahr auf rund 2,5 Prozent. Unternehmensanleihen profi­tierten nicht nur von den insgesamt weiter fallen­den Zinsen, sondern auch besseren Konjunktur­aussichten, sodass sie sowohl in den USA als auch in Europa die Verluste des Vorquartals mehr als ausgleichen konnten.

 

An den Devisenmärkten blieb es im Berichtszeit­raum vergleichsweise ruhig. Gegenüber dem US-Dollar notierte der Euro angesichts der ungelösten Probleme der Europäischen Union weiter etwas schwächer und verlor im ersten Quartal 2,2 Pro­zent auf 1,12 EUR/USD. Auch zu japanischen Yen stieg der US-Dollar etwas. Mit dem Rückgang um 1,1 Prozent auf 111 JPY/USD im ersten Quartal wurde aber nur etwa die Hälfte des Schwächean­falls der US-Währung in der zweiten Dezember­hälfte aufgeholt. Obwohl das britische Parlament reihenweise Vorschläge für einen geregelten Brexit ablehnte und der eigentlich für Ende März erklärte EU-Austritt verschoben werden musste, wetteten die Börsen auf einen geregelten oder längerfristig verschobenen Austritt. So erholte sich das Briti­sche Pfund im ersten Quartal gegenüber dem Euro um 3,9 Prozent auf 0,86 GBP/EUR. Bei den meis­ten größeren Kryptowährungen kam es nach den immensen Wertverlusten des Vorjahres im ersten Quartal zu einer Stabilisierung. Der Wechselkurs des Bitcoins erholte sich um gut 10 Prozent auf rund 3.640 US-Dollar.

 

Auch an den Rohstoffmärkten überwogen im ers­ten Quartal Kursgewinne, weil die Kursverluste in den letzten Monaten des Vorjahres als übertrieben eingestuft wurden. Vor allem der Ölpreis, der im vierten Quartal aufgrund von Konjunktursorgen um gut ein Drittel eingebrochen war, erholte sich deut­lich. Grund waren die sich verbessernden Aussich­ten der Weltkonjunktur und eine damit gekoppelte höhere Nachfrage nach Öl auf dem Weltmarkt. Ein Barrel der europäischen Rohölsorte Brent verteu­erte sich um rund ein Viertel auf 67,50 US-Dollar, ein Barrel der US-amerikanischen Sorte WTI ver­ringerte seinen Preisabschlag mit einem An­stieg um fast ein Drittel auf rund 60 US-Dollar.

 

Der Kupferpreis, der ebenfalls als ein Indikator für das Wachstum der Weltwirtschaft gilt, stieg um knapp 10 Prozent. Vergleichsweise wenig verän­derten sich die Preise für Edelmetalle. So lag der Preis für eine Feinunze Gold Ende März mit 1.292 US-Dollar nur 0,8 Prozent höher als zum Jahres­beginn. Etwas stärker fiel der Preisanstieg bei Pla­tin und Palladium mit 6,7 bzw. 8,9 Prozent aus. Palladium setzte damit, wenn auch langsamer als zuvor, seinen Anstieg seit dem August des Vorjah­res fort und übertraf Ende März mit 1.380 US-Dol­lar pro Unze den Goldpreis. In Euro gerechnet kommt in allen Fällen noch der Währungsgewinn durch den gut zweiprozentigen Anstieg des US-Dollars hinzu. Für eine Feinunze Gold ergibt sich somit ein Anstieg um drei Prozent auf 1.152 Euro. Eine Unze Silber verbilligte sich dagegen um 2,3 Prozent auf 15,14 US-Dollar, was aus Sicht eines Euro-Anlegers durch den Währungsgewinn genau ausgeglichen wurde. Unter dem Strich verzeichne­ten Rohstoffpreisindizes Quartalsgewinne. Ein Bei­spiel ist der Dow Jones Commodity Index mit ei­nem Anstieg von 8,4 Prozent und der RICI mit ei­nem Plus von 8,2 Prozent – jeweils gerechnet in US-Dollar.

 

 

Aktienmärkte

 

Die Aktienmärkte starteten mit hohen Kursschwan­kungen in das neue Jahr. Eine Umsatzwarnung von Apple löste zunächst noch einmal Aktienver­käufe aus, bevor Hoffnungen auf eine Entspan­nung im amerikanisch-chinesischen Handelskon­flikt und bei der Fed-Zinspolitik schon in der ersten Woche des Jahres eine Kurserholung begründe­ten. Tatsächlich signalisierte die US-Notenbank, ihre Geldpolitik in diesem Jahr nicht, wie noch im Dezember angekündigt, weiter zu verschärfen. Und die amerikanisch-chinesischen Handelsge­spräche blieben zwar noch ohne Endergebnis, wurden aber offenbar konstruktiv fortgesetzt. Pe­king kündigte bessere Wettbewerbsbedingungen für ausländische Unternehmen an. Die bevorste­hende Senkung der Mehrwertsteuer ab April dürfte zudem die chinesische Binnennachfrage und damit die Weltkonjunktur stabilisieren. Der bislang längs­te Regierungsstillstand (Government Shutdown) in den USA aufgrund des politischen Streits zwischen Demokraten und US-Präsident Trump vermochte die Kurserholung an der Wallstreet nicht zu verhin­dern, zumal einige besser als erwartet ausfallende Wirtschaftsdaten die Konjunktursorgen milderten. In vielen Einzelfällen drückten allerdings schlechte­re Geschäftsaussichten der Unternehmen auf die Aktienkurse. So wurden Aktien von Lebensmittel- und Getränkeherstellern durch Milliarden-Abschrei­bungen beim US-Konzern Kraft Heinz belastet und der Flugzeughersteller Boeing litt unter Flugverbo­ten für sein aktuelles Modell 737 MAX.

 

Aktien der Rohstoff-Branche und aus den Schwel­lenländern profitierten dagegen von der Aussicht, dass der internationale Handel und die Weltkon­junktur keinen Dämpfer durch neue Zölle erhalten. Der MSCI Emerging Markets für Schwellenländer-Aktien stieg auf den höchsten Wert seit Juli ver­gangenen Jahres. Den meisten anderen Aktienin­dizes gelang es noch nicht, die Kursverluste des vorausgegangenen Quartals vollständig aufzuho­len. Trotzdem erlebte der populäre Dow Jones In­dustrial Average für US-Aktien mit einem Anstieg um 11,2 Prozent auf 25.928,7 Zähler das stärkste erste Kalenderquartal seit 2013. Der S&P-500-In­dex verzeichnete mit einem Plus von 13,1 Prozent sogar das beste Auftaktquartal seit 21 Jahren. Noch stärker erholten sich die an der Nasdaq no­tierten Aktien, wodurch der Nasdaq-100-Index um 16,6 Prozent stieg. Dies ist immerhin der beste Jahresstart seit dem ersten Quartal 2012. Beson­ders gefragt waren Aktien aus der Internet-Bran­che. Der entsprechende Nasdaq-Branchenindex konnte mit einem Anstieg um 22,8 Prozent seinen Rückgang aus dem vierten Quartal vollständig ausgleichen. Das gelang dem Russell-2000-Index für kleinere US-amerikanische Unternehmen mit einem Anstieg um 14,2 Prozent noch nicht.

 

In Europa bremsten zwar immer wieder Sorgen um einen möglicherweise bevorstehenden ungeregel­ten „harten“ Brexit die Kurserholung. Das befremd­liche Schauspiel im britischen Parlament, das zu­nächst mehrfach das Brexit-Übergangsabkommen mit der EU ablehnte, dann aber auch einen Austritt ohne Abkommen und ein neues Referendum ab­lehnte und schließlich für eine Verschiebung stimmte, wurde von den Börsen als Chance ge­wertet, den EU-Austritt Großbritanniens doch noch zu regeln oder einen Verbleib in der Zollunion mit der EU zu erreichen. Die Kursgewinne in London fielen mit einem Plus von 8,2 Prozent beim FTSE-100-Index allerdings geringer aus als bei den meisten kontinentaleuropäischen Börsen.

 

Der Euro-STOXX-50 erholte sich um 11,7 Prozent auf 3.351,7 Punkte. Das ist der gleiche Prozent­satz, den der Index im vierten Quartal verloren hat­te. Für einen vollständigen Ausgleich des Kurs­rückgangs reicht dies allerdings nicht, weil 11,7 Prozent von der ermäßigten Ausgangsbasis weni­ger sind als 11,7 Prozent von dem früheren höhe­ren Ausgangswert. Der DAX wurde unter anderem von Kursverlusten des Chemiekonzerns Bayer be­lastet, weil das von Bayer übernommene US-Che­mieunternehmen Monsanto im Zusammenhang mit Krebserkrankungen zu hohen Schadensersatzzah­lungen verurteilt wurde. So kam der DAX im Be­richtszeitraum nur auf einen Anstieg um 9,2 Pro­zent auf 11.526 Punkte. Der französische CAC-40-Aktienindex stieg im gleichen Zeitraum um 13,1 Prozent. Von den kleineren europäischen Börsen fiel Athen positiv auf, wo der Athex Composite In­dex für griechische Aktien um 17,6 Prozent zuleg­te. Die relative Stärke des SMI für schweizerische Aktien setzte sich fort. Nachdem die Börse in Zü­rich im vierten Quartal 2018 nur 7,2 Prozent verlo­ren hatte, stieg der SMI im ersten Quartal um 12,4 Prozent bis in die Nähe seiner Rekordwerte von Anfang 2018.


An die Spitze der Kurserholung in Asien setzten sich die chinesischen Börsen. So stieg der Hong­konger Hang Seng Index um 12,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Juni des Vorjahres. Auch die Börse Shanghai kehrte mit der Zuversicht, die Aus­wirkungen des Handelsstreits mit den USA abfan­gen zu können, zu Werten von Mitte 2018 zurück. Das gelang der japanischen Börse nicht. Nikkei-225 und Topix-Index verzeichneten im Berichtszeit­raum nur einen Anstieg um 6,0 bzw. 6,5 Prozent und konnten damit weniger als die Hälfte der im vierten Quartal erlittenen Verluste aufholen.

 

Nach dem Amtsantritt des Populisten Jair Bolsona­ro als Präsident Brasiliens setzten sich die Kursge­winne an der Börse Sao Paulo zunächst fort. Der Anstieg des Bovespa blieb mit 8,7 Prozent unter dem Vorquartal, als der Aktienmarkt Brasiliens ge­gen den internationalen Trend ein Plus von gut 10 Prozent verzeichnet hatte.

 

Obwohl sich der Goldpreis selbst nur wenig verteu­erte, waren Aktien von Goldminen gefragt. Der FT Gold Mines Index verzeichnete im ersten Quartal einen Anstieg um 7,0 Prozent.